Business-Models – The next generation

Geschäftsmodelle haben dem klassischen Businessplan den Rang abgelaufen. Wo Banken noch auf einen solide erarbeiteten Businessplan als Grundlage für ihre Kreditentscheidungen bauen, setzen Investoren viel früher an und erwarten die Darstellung des Geschäftsmodells. Alle Start-ups, Gründer aber auch etablierte Unternehmen sind gut beraten ihr business model genau zu kennen. Schließlich geht es um nichts Geringeres als die Frage, ob die eigene Idee überhaupt wirtschaftlich sinnvoll ist. Dabei gilt: auch eine schlechte Idee lässt sich mit einem gut ausgearbeiteten business model umsetzen, während gute Ideen ohne business model auch nur das bleiben – Ideen. Das Business Model Canvas von Alexander Osterwalder gilt als Wegbereiter und hat sich zu DEM Instrument entwickelt, um die eigene Idee auf nur einem Blatt Papier zu visualisieren und zu testen. Allerdings stößt auch ein Business-Model-Canvas an seine Grenzen. Innovative sächsische Start-ups sind genau da angekommen und haben die Canvas für ihre Bedürfnisse weiterentwickelt. Im Gründernest nutzen wir diese Modelle zur Entwicklung von Start-ups und wollen euch die next generation der business-models vorstellen.

Business-Model-Canvas – Die Basis der Geschäftsmodellentwicklung

Das Business-Model-Canvas wurde von Alexander Osterwalder entwickelt. Es gilt als das Maß aller Dinge in Sachen Business-model-generation. Das gleichnamige Buch und die Canvas haben bereits über fünf Millionen Nutzer erreicht. Es gilt als die Basis für Visionäre und Impulsgeber, um veraltete Geschäftsmodelle zu revolutionieren und Innovationen voranzutreiben. Die Idee dahinter so ist einfach wie bahnbrechend. Auf nur einem Blatt Papier wird das gesamte business-model dargestellt. Neun Elemente beschreiben alle relevanten Bereiche. Jedes Unternehmen, unabhängig von seiner Größe, hat nur eine Aufgabe – die Bedürfnisse seiner Kunden zu befriedigen. Im Zentrum steht daher das Nutzenversprechen. Ganz links in diesem Model befinden sich die Zielgruppe. Hier wird definiert wer die eigenen Kunden sind oder sein sollen bzw. welche Märkte angesprochen werden. Zwischen Kunden und Nutzenversprechen bestehen Beziehungen – die sogenannten Channels. Hier wird geklärt, wie man letztlich mit dem Kunden interagiert. In den Customer Relationships wird die Frage beantwortet, wie man seine Kunden gewinnt, hält und langfristig weiterentwickelt. Aus dem Umsetzung des Nutzenversprechens beim Kunden entsteht der Umsatz, der in den Revenue Streams abgebildet wird. Hier klärt sich auch die alles entscheidende Frage – Woher kommt das Geld in meinem Geschäftsmodel? Auf der anderen Seite des Nutzenversprechens steht das Unternehmen und die Umsetzung seine Versprechens. Hier wird herausgearbeitet welche physischen, menschlichen und finanziellen Ressourcen unverzichtbar sind (Key Resources), mit welchen Tätigkeiten das Geschäftsmodell am laufen gehalten wird (Key Activities) und welche Partnerschaften mit anderen Unternehmen eingegangen werden sollten (Key Partnerships). Schlussendlich ergibt sich daraus die Kostenstruktur (Cost Structure). Nun kann man alle Elemente so lange verändern und optimieren bis ein funktionierendes Geschäftsmodell entsteht. In einem Youtube-Video seht ihr den Aufbau und die Funktionsweise des Business-model kurz zusammengefasst.

Lean Canvas – So werden Probleme gelöst

Die Lean Canvas verfolgt einen ganz ähnlichen Ansatz. Auch dieses Modell war anfangs für Gründer gedacht, ist aber mittlerweile bei vielen anderen Berufsgruppen, insbesondere Projektmanager und Online-Marketer ein begehrtes Tool. Statt der neun Elemente gibt es neun Fragestellungen, die zu einer Problemlösung führen sollen. Aufgrund des begrenzten Platzes konzentriert man sich auf das Wesentliche. Damit ist es ein gutes Tool für die Kampagnenplanung oder für die Entscheidungsfindung auf Management-Ebene. Die neun Fragen sind: Welche Probleme löst Ihre Idee? (Problem); Wer ist vom Problem betroffen? (Zielgruppe); Welche Lösung bietet Ihr Angebot? (Angebot); Warum sollte Ihre Zielgruppe das Angebot wahrnehmen? (Alleinstellungsmerkmal); Wie wird der Erfolg messbar? (Kennzahlen); Wie erreichen Sie Ihre Kunden? (Kanäle); Was ist Ihr entscheidender Vorteile gegenüber der Konkurrenz? (unfairer Vorteil); Welche Kosten entstehen durch das Projekt (Kosten); Wie generiere ich Umsätze? (Umsätze)

Hier findet ein Beispiel für das Lean Canvas Model.

Gamified Startup Toolkit – Tooltime für Start-ups

Das Gamified Start-up Toolkit wurde von dem Start-up Founderscope aus Leipzig entwickelt. Es lässt sich als großer Werkzeugkaste mit aufeinander abgestimmten Tools für die agile Entwicklung von Produkten, Geschäftsmodellen und Innovationen beschreiben. Es werden viele Ansätze wie beispielsweise die Lean-Start-up Methode von Eric Ries, Design Thinking und agiles Projektmanagement kombiniert. Das System besteht aus drei großen Komponenten – dem GameSet, dem GamePlay und dem GameScore. Im GameSet werden die Ideen entwickelt. Mit Hilfe von vielen verschiedenen Tools wie zum Beispiel dem Business-model-canvas soll das Verständnis für Kunden, Märkte, das eigene Produkt, Stakeholder und die verschiedenen Anforderungen entwickelt werden. Ausgehend vom der entstandenen Idee kommt es zum GamePlay. Hier werden die nächsten Schritte festgelegt, Aufgaben priorisiert und dem weiteren Vorgehen eine Struktur gegeben. Darauf aufbauend kommt es zum GameScore. Das entwickelte Konzept wird nun einem strukturierten Test unterzogen. Aus den Ergebnissen lassen sich Schußfolgerungen ziehen – ist man auf dem richtigen Weg?; Was sollte angepasst werden? Ist es Zeit für den nächsten Schritt. Somit kann das GameSet optimiert werden und man startet in eine eine Runde. So bewegt man sich ähnlich einer Schraube immer ein Stück weiter nach oben bis aus der Idee ein funktionierendes Unternehmen geworden ist. Das Besondere am Gamified Start-up Toolkit ist der wirklich umfassende Werkzeugkasten, der für jeden Schritt ein passendes Tool bietet. Das schiere Umfang mag zu Beginn etwas einschüchtern. Sobald man sich näher damit beschäftigt und den Startup Guide nutzt, ist die Anwendung einfach.

Hier gelangt ihr zur Webseite des Gamified Startup Toolkit.

DigitalInnovation Model – Speziell für Softwareentwickler

Stephan Preuss entwickelte das DigitalInnovation Model. Ebenso wie das Business-model-canvas zeigt es auf nur einer Seite konzentriert alle wichtigen Elemente des Geschäftsmodells. Die Zielgruppe sind Softwareentwickler sowie Unternehmen, die Softwareprojekte umsetzen wollen. Das Modell verspricht die Möglichkeit eigene Unternehmensziele, das Nutzerverhalten sowie das Design der Software zu einer gemeinsamen Strategie zu vereinen. Die Darstellung unterscheidet sich vom klassischen Business-model-canvas. Im Zentrum stehen die eigenen Ergebnisse, die man mit der neuen Software erreichen will. Es wird die eigentliche Aufgabe der Innovation definiert. Um diese zu erreichen wird der potenzielle Nutzer analysiert. In einzelnen Felder nimmt man sich den Fragen nach seinen Eigenschaften, seinen Interessen, Bedürfnissen und Problemen sowie den Themen, die ihn beschäftigen und sein Interesse wecken an. Darauf aufbauend widmet man sich dem Nutzen der Software und wie der Anwender diese erlebt. Hierbei ergeben sich dann auch die Eigenschaften, die den Nutzer zu Beginn und dann dauerhaft begeistern sollen. Schließlich wird auch hier geklärt, wie man die Softwareentwicklung umsetzt und finanziert, welche Partner von Nutzen sein könnte mit welchen Kritikern zu rechnen ist.

Hier gelangt ihr zu einer Darstellung des DigitalInnovation model.

Plattform Business Model – Märkte revolutionieren

Plattform-Geschäftsmodelle gibt es mittlerweile sehr oft. AirBnB, Ebay oder Lieferando – sie alle funktionieren als Plattform-Geschäftsmodell. Sie nutzen Technologien, um Menschen und Ressourcen zu vernetzen und damit den Austausch von Leistungen zu organisieren. Der ursprüngliche Markt erlebt dadurch die „Digital Disruption“ – er wird durch neue Mechanismen revolutioniert und mitunter auch überflüssig. Fungiert man als ein solcher Dirigent in einem Netzwerk von Angebot und Nachfrage ohne ein eigenes physisches Angebot zu haben stößt das klassische Business-Model-Canvas an seine Grenzen. Es ist auf die klassische Wertschöpfungskette ausgelegt. Mit dem Platform Business-Model-Canvas von Matthias Walter soll dieses Problem gelöst werden. Es besteht aus vier Quadranten für die Produzenten, Konsumenten, Partner und dem Plattformeigner sowie einem inneren Kreis mit Kernkompetenzen. Im Gegensatz zum Business-Model Canvas ist das Modell von Matthias Walter kreisförmig. Die Produzenten sind jene Personen oder Unternehmen, die bestimmte Leistungen anbieten. Die Konsumenten sind jene, welche die angebotenen Leistungen nutzen wollen und die Partner sind jene, die das Modell am Laufen halten wie beispielsweise Logistiker (Bahn, DHL), Technologieanbieter und Werbetreibende. Das Besondere ist, dass eine Person alle Rollen annehmen kann. So kann der Eigentümer gleichzeitig Produzent von etwas sein, dass er über die Plattform anbietet, selbst auch ausliefert und gleichzeitig ein anderes Produkt konsumiert. Die Kernkompetenzen bestehen aus dem Mehrwert der Nutzer (Value Proposition), den Werten die zur Verfügung gestellt werden (Value Transaction) sowie dem Hauptfunktionen der Plattform (Key Platform Components) Die Value Proposition ist das Kernelement. Sie verdeutlicht was der Mehrwert für den einzelnen Teilnehmer ist. Die Value Transaction verdeutlicht die Werte, welche die einzelnen Nutzer bereitstellen oder konsumieren. Die Hauptfunktionen ergeben sich aus, welche die Teilnehmer an das Netzwerk stellen. Ein Beispiel hierfür ist die Lieferdienstsuche bei Lieferando.

Über folgenden Link findet ihr das Platform Business-model von AirBnB.

Fazit:

Das Business-model-canvas bildet die Grundlage der neuen Geschäftsmodellentwicklung. Es verdrängt den Businessplan aus den Köpfen der Investoren und eröffnet die Möglichkeit Ideen zu visualisieren, zu testen und das eigene Geschäftsmodell einfach und verständlich darzustellen. Dennoch stößt es an Grenzen. Ausgelegt auf eine lineare Wertschöpfungskette (jemand produziert und verkauft etwas) kann es bei allen anderen Ideen nur schwer angewandt werden. Auch die Lean-Canvas Modell, als einfachste Abwandlung, funktioniert ähnlich und legt seinen Fokus auf die Problemlösung. Hiermit hat zwar man einen guten Einstieg in die Kampagnenplanung, wirklich weiter kommt man aber nicht. Zu Recht haben sich sächsische Innovatoren dem Problem angenommen und einen ganzen Strauß brauchbarer Tools entwickelt. Das DigitalInnovation model hat den Canvas Ansatz für die Softwareentwicklung angepasst und eignet sich daher nur für den IT-Bereich. Besonders hervorzuheben ist das Gamified Startup Toolkit – ein aufgeräumter Werkzeugkasten abgestimmter Instrumente. Alles was des Gründers Herz begehrt findet man in diesem umfassenden Modellbausatz. Der Weg von der fixen Idee zum funktionierenden Unternehmen ist damit weniger beschwerlich. Auch das Platform Business-model eröffnet die Möglichkeit sein Geschäftsmodell einfach darzustellen. Gerade Plattform-Modelle sind es, die ganze Märkte auf den Kopf stellen und das Start-up zum Unicorn machen. Als Gründer ist es aber mitunter schwer das passende Werkzeug zur Entwicklung des Geschäftsmodells zu finden. Es besteht die Gefahr, dass das gewählte Instrument für die Idee zu überdimensioniert oder aber für den anvisierten Markt schlecht anwendbar ist. Wir vom Gründernest haben bereits 400 sächsische Start-ups auf ihrem Weg betreut. Wir helfen Dir dabei mit den richtigen Tools aus deiner Idee ein funktionierendes Unternehmen zu machen. Sprich uns einfach an!



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